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Qualifizierungschancengesetz

AZAV-Zertifizierung des Trägers: warum sie für QCG Pflicht ist

· 9 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Zertifizierungsurkunde eines Bildungsträgers mit Siegel und Unterschrift auf Schreibtisch

AZAV-Zertifizierung ist Voraussetzung dafür, dass ein Bildungsträger Förderung nach §82 SGB III abwickeln darf. Ohne AZAV-Zulassung kann kein Unternehmen seinen Mitarbeiter über das Qualifizierungschancengesetz qualifizieren lassen, selbst wenn Kursqualität und Inhalt überzeugen. AZAV steht für die Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung und ist in den §§176ff SGB III rechtlich verankert. Die Zertifizierung wird von fachkundigen Stellen wie DEKRA, TÜV oder CertQua durchgeführt, gilt typischerweise drei Jahre und deckt sowohl Träger als auch einzelne Maßnahmen ab.

Für Unternehmen, die QCG nutzen wollen, ist die AZAV-Prüfung der erste Filter bei der Trägerauswahl. Dieser Artikel erklärt, welche Anforderungen hinter der Zertifizierung stehen, wie Sie sie prüfen und warum der Gesetzgeber diese Hürde eingebaut hat.

Was AZAV konkret regelt

AZAV steht für “Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung” und wurde 2012 eingeführt. Die Verordnung regelt, welche Qualitätsanforderungen Bildungsträger erfüllen müssen, um Fördermittel der Arbeitsförderung nach SGB III verwenden zu dürfen. Die Rechtsgrundlage findet sich in den §§176 bis 184 SGB III und in der AZAV-Verordnung selbst{target=“_blank” rel=“noopener”}.

Drei Elemente sind zentral:

  • Trägerzertifizierung. Der Bildungsträger wird als Institution geprüft. Dabei geht es um Qualitätsmanagement, Dozentenqualifikation, Räumlichkeiten oder digitale Infrastruktur und Finanzkennzahlen.
  • Maßnahmenzertifizierung. Jede einzelne Maßnahme wird separat zertifiziert. Lehrplan, Prüfungsordnung, Unterrichtsmaterial und Qualifikation der Dozenten werden geprüft.
  • Fachkundige Stelle. Die Prüfung erfolgt nicht durch die Arbeitsagentur selbst, sondern durch private Zertifizierungsgesellschaften, die ihrerseits von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) akkreditiert sind.

Warum der Gesetzgeber diese Hürde eingezogen hat

Vor Einführung der AZAV gab es Einzelfallprüfungen, die für die Arbeitsagentur sehr aufwendig waren. Qualität wurde nicht systematisch gesichert, und es gab Fälle, in denen Steuergelder an Träger flossen, die Kurse mit fragwürdiger Qualität anboten.

Die AZAV hat drei Wirkungen.

Qualitätssicherung. Träger müssen ein Qualitätsmanagementsystem nachweisen. Das ist analog zu ISO 9001, aber spezifisch auf Bildungsdienstleistungen zugeschnitten. Die Prüfung erfolgt turnusmäßig, typischerweise alle drei Jahre.

Entlastung der Arbeitsagentur. Die Agentur muss nicht jeden Träger und jede Maßnahme einzeln prüfen. Sie vertraut auf die Arbeit der fachkundigen Stellen und kontrolliert nur noch im Einzelfall.

Marktbereinigung. Nicht zertifizierte Träger können keine SGB-III-Förderung annehmen. Das schließt Anbieter ohne ausreichende Struktur vom Fördermarkt aus und schützt die Teilnehmer vor unzureichender Qualität.

Wer die Zertifizierung durchführt

Die Prüfung erfolgt durch fachkundige Stellen, die von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) für AZAV-Prüfungen akkreditiert sind. Die wichtigsten am Markt sind:

  • DEKRA Certification GmbH. Einer der Marktführer, breit aufgestellt in Trägerzertifizierung und Einzelmaßnahmen.
  • TÜV Rheinland Akademie. Ebenfalls stark vertreten, oft in technisch orientierten Kursen.
  • CertQua GmbH. Spezialisiert auf Bildungseinrichtungen, Tochter mehrerer Bildungsverbände.
  • DAkkS-akkreditierte weitere Zertifizierungsgesellschaften. Eine vollständige Liste führt die DAkkS{target=“_blank” rel=“noopener”}.

Die Auswahl der fachkundigen Stelle trifft der Träger selbst. Für das qualitative Ergebnis ist es egal, welche Gesellschaft zertifiziert. Alle arbeiten nach denselben Prüfkriterien der AZAV.

Wie die Prüfung abläuft

Die Trägerzertifizierung erfolgt in mehreren Schritten.

Antragsphase. Der Träger reicht Unterlagen bei einer fachkundigen Stelle ein: Qualitätshandbuch, Personalstruktur, Finanzkennzahlen, Infrastrukturbeschreibung.

Vor-Ort-Audit. Die fachkundige Stelle prüft die Räumlichkeiten (bei Online-Trägern die digitale Infrastruktur), interviewt die Leitung und bewertet das Qualitätsmanagementsystem. Bei größeren Trägern dauert das ein bis zwei Tage.

Maßnahmenaudit. Parallel zur Trägerzertifizierung werden einzelne Maßnahmen geprüft. Dozentenqualifikation, Curriculum, Prüfungsordnung. Für jede Maßnahme gibt es ein separates Zertifikat.

Zertifikatserteilung. Nach positiver Prüfung stellt die fachkundige Stelle ein Zertifikat aus, typischerweise gültig für drei Jahre. Das Zertifikat ist öffentlich einsehbar.

Überwachungsaudits. Innerhalb der drei Jahre gibt es mindestens ein Zwischenaudit, oft auch jährliche Überwachungen. Veränderungen im Qualitätsmanagement müssen der fachkundigen Stelle gemeldet werden.

Re-Zertifizierung. Nach Ablauf der drei Jahre erfolgt eine Neubewertung. Der Prozess wiederholt sich.

Was AZAV-Zertifizierung für die Qualität bedeutet

Die AZAV prüft Struktur, nicht Inhalt. Das ist wichtig zu verstehen. Ein AZAV-zertifizierter Träger hat ein funktionierendes Qualitätsmanagement, dokumentierte Prozesse und qualifizierte Dozenten. Die AZAV garantiert allerdings nicht, dass die Inhalte aktuell, marktgerecht oder didaktisch gelungen sind.

Für die Qualitätseinschätzung sollten Unternehmen zusätzlich auf folgende Kriterien achten:

  • Dozentenprofile. Wer unterrichtet? Berufserfahrung, Qualifikation, Praxiskontakt.
  • Curriculum-Aktualität. Wann wurde das Curriculum zuletzt aktualisiert? Bei KI-Themen reicht einmal pro Jahr oft nicht.
  • Praxis-Anteil. Wie viel Zeit wird in Übung und Projektarbeit investiert?
  • Teilnehmerfeedback. Auswertungen vorheriger Kohorten, soweit verfügbar.

In meiner Beratungspraxis sehe ich regelmäßig Unternehmen, die ausschließlich auf AZAV-Zertifizierung prüfen und dann enttäuscht sind, wenn die inhaltliche Qualität nicht den Erwartungen entspricht. AZAV ist notwendig, aber nicht hinreichend.

Wie Sie die AZAV-Zertifizierung eines Trägers prüfen

Drei Schritte.

Zertifikat einsehen. Seriöse Träger veröffentlichen das Zertifikat auf ihrer Website, typischerweise im Impressum oder auf einer Qualitätsseite. Das Zertifikat nennt die fachkundige Stelle, die Gültigkeitsdauer und die zertifizierten Maßnahmen.

Fachkundige Stelle kontaktieren. Im Zweifel bei der ausstellenden Stelle nachfragen, ob das Zertifikat gültig ist. DEKRA, TÜV und CertQua beantworten solche Anfragen in der Regel zeitnah.

Kursnet der Bundesagentur prüfen. Die Bundesagentur führt mit Kursnet eine öffentliche Datenbank, in der AZAV-zertifizierte Kurse gelistet sind. Nicht jeder zertifizierte Kurs wird dort eingetragen, aber die Datenbank ist ein nützlicher zweiter Prüfpunkt.

Die Prüfung dauert insgesamt 15 Minuten. Wer diese Zeit vorab investiert, vermeidet Anträge auf nicht zertifizierte Kurse.

Häufige Missverständnisse zur AZAV

Drei Annahmen, die in Gesprächen immer wieder auftauchen und falsch sind.

“Der Träger sagt, er ist ISO-zertifiziert, das reicht auch.” ISO 9001 ist nicht identisch mit AZAV. Viele Bildungsträger haben beide Zertifizierungen, aber nur AZAV öffnet den Zugang zur SGB-III-Förderung. ISO-Zertifizierung allein reicht nicht.

“Wenn der Träger in den letzten Jahren schon QCG-Kurse durchgeführt hat, muss er AZAV haben.” Die Annahme ist meist richtig, aber nicht garantiert. AZAV-Zertifizierungen laufen aus und werden nicht immer verlängert. Im Zweifel aktuelles Zertifikat anfordern.

“Die AZAV-Zertifizierung gilt für den ganzen Träger, also sind automatisch alle Kurse zertifiziert.” Falsch. Neben der Trägerzertifizierung gibt es eine Maßnahmenzertifizierung. Jede einzelne Maßnahme wird separat geprüft. Ein AZAV-Träger kann durchaus Kurse anbieten, die nicht AZAV-zertifiziert sind. Für QCG-Förderung muss sowohl der Träger als auch der konkrete Kurs zertifiziert sein.

Was passiert, wenn ein Träger die Zertifizierung verliert

In seltenen Fällen wird eine AZAV-Zertifizierung zurückgezogen, typischerweise wenn die fachkundige Stelle bei einem Überwachungsaudit gravierende Mängel feststellt. Konsequenzen für laufende Maßnahmen:

  • Bereits genehmigte Förderungen bleiben in der Regel bestehen, weil die Bewilligung zum Zeitpunkt gültiger Zertifizierung erfolgt ist.
  • Neue Anträge sind gesperrt, bis der Träger die Zertifizierung zurückgewinnt oder zu einer anderen fachkundigen Stelle wechselt.
  • Laufende Kurse können betroffen sein, wenn die Kursqualität vom Zertifizierungsentzug direkt betroffen ist.

Unternehmen, die vor einer großen Qualifizierungsrolle stehen, sollten die Stabilität des Trägers im Blick haben. Marktgeschehen und Gerüchte zum Anbieter sind Indikatoren, die eine kurze Recherche wert sind.

Was sich durch den Markt an AZAV-Trägern entwickelt hat

Der Markt AZAV-zertifizierter Träger ist in den letzten Jahren gewachsen, besonders im Bereich Online-Weiterbildung. Drei Trends sind erkennbar.

Digitale Spezialisierung. Immer mehr Träger bieten ausschließlich Online-Formate an, mit AZAV-zertifizierter digitaler Infrastruktur. Die Agentur akzeptiert diese Formate zunehmend, weil sie für berufstätige Teilnehmer oft praktischer sind.

Branchenspezialisierung. Neben klassischen Generalisten (IHK-Lehrgangsträger, Volkshochschulen) etablieren sich Träger mit klarer Branchenspezialisierung: IT, KI, Medizintechnik, Energie.

Konsolidierung bei größeren Anbietern. Große überregionale Träger gewinnen Marktanteile, weil sie Skaleneffekte und standardisierte Prozesse bieten. Regionale Träger bleiben relevant, verlieren aber tendenziell Volumen.

Für Unternehmen bedeutet das: Die Auswahl an AZAV-zertifizierten Angeboten ist heute deutlich größer als vor fünf Jahren. Die Auswahl braucht etwas Sorgfalt, aber das passende Angebot findet sich in den meisten Fachrichtungen.

Wie DEKRA-zertifizierte Träger arbeiten

Als einer der Marktführer zertifiziert DEKRA eine große Zahl der deutschen Bildungsträger nach AZAV. Die DEKRA-Zertifizierung ist formal identisch mit anderen Zertifizierungen (TÜV, CertQua), aber in der Praxis bei vielen Unternehmen besonders bekannt.

Die SkillSprinters-Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager ist beispielsweise DEKRA-zertifiziert. Das Zertifikat ist einsehbar auf der Website. Aus meiner Beratungspraxis: Unternehmen, die erstmals einen QCG-Antrag stellen, fragen oft nach der konkreten Zertifikatsnummer. Die Nachfrage gehört zum professionellen Prozess und sollte nicht als Misstrauen verstanden werden.

Welche Unterlagen Sie vom Träger erhalten sollten

Für den QCG-Antrag und die interne Dokumentation sollten Sie folgende Unterlagen vom Bildungsträger einholen:

  • Trägerzertifikat AZAV (aktuelles, nicht abgelaufenes Dokument)
  • Maßnahmenzertifikat AZAV für den konkreten Kurs
  • Kursbeschreibung mit Lehrplan, Stundenzahl und Abschlussform
  • Preisliste und Vertragsentwurf
  • Referenzen (mindestens drei durchgeführte Vergleichskurse)

Mit diesen fünf Unterlagen haben Sie die Grundlage, die sowohl die Bundesagentur als auch interne Freigabestellen (Geschäftsführung, Controlling, Betriebsrat) prüfen können. Weitere Details zur Vorbereitung liefert der Artikel zur Auswahl förderfähiger Maßnahmen nach §82 SGB III.

Häufig gestellte Fragen

Gilt die AZAV-Zertifizierung auch für Kurse außerhalb der Förderung? Ja, aber die Bindung ist schwächer. Viele Träger haben AZAV-Zertifizierung, bieten aber auch Kurse an, die nicht formal AZAV-zertifiziert sind. Für Kurse ohne Förderung spielt die AZAV-Zertifizierung keine Rolle, für die Qualitätseinschätzung ist sie trotzdem ein Indikator.
Muss ein Bildungsträger international AZAV haben? Nein. AZAV ist eine nationale deutsche Regelung für die Arbeitsförderung nach SGB III. Internationale Träger, die in Deutschland Kurse anbieten, benötigen die AZAV-Zertifizierung für SGB-III-Förderung. Ohne AZAV ist keine Förderung nach §82 SGB III möglich, auch wenn der Träger in anderen Ländern vergleichbare Zertifizierungen hat.
Wer prüft, ob die AZAV-Anforderungen kontinuierlich erfüllt werden? Die ausstellende fachkundige Stelle (DEKRA, TÜV und andere) führt regelmäßige Überwachungsaudits durch, mindestens einmal innerhalb der Dreijahresfrist, oft auch jährlich. Bei Verstößen kann die Zertifizierung widerrufen werden.
Was kostet eine AZAV-Zertifizierung den Träger? Die Kosten variieren je nach Trägergröße und Anzahl der zu zertifizierenden Maßnahmen. Für kleinere Träger liegen die Gesamtkosten typischerweise zwischen 3.000 und 8.000 Euro pro Zertifizierungsrunde. Größere Träger zahlen entsprechend mehr. Diese Kosten werden in den Kurspreis einkalkuliert.
Kann ein ausländischer Abschluss über einen deutschen AZAV-Träger gefördert werden? Teilweise. Wenn ein deutscher AZAV-zertifizierter Träger die Ausbildung verantwortet und den Abschluss in Deutschland ausstellt, ist die Förderung möglich. Reine Auslandsausbildungen ohne deutsche Trägerverantwortung sind in der Regel nicht nach §82 SGB III förderfähig. Hier gibt es Einzelfallprüfungen durch die Arbeitsagentur.

Zuletzt geprüft am 21.04.2026 von Dr. Jens Aichinger.

Wenn Sie einen AZAV-zertifizierten Kurs für Ihre Mitarbeiter suchen:

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